Reaktion des VPSA e.V. zur Wahl in Sachsen-Anhalt
Die Wahl in Sachsen-Anhalt ist für uns als Vereinigung der Profession Sozialer Arbeit ein Anlass, genau hinzusehen: auf gesellschaftliche Entwicklungen, auf die Lebenslagen der Menschen und auf die Verantwortung von Politik und Sozialer Arbeit.
Soziale Arbeit steht für eine demokratische, menschenrechtsorientierte und solidarische Gesellschaft. Sie stärkt die Teilhabe von Menschen, unterstützt Menschen in schwierigen Lebenslagen und setzt sich für gesellschaftlichen Zusammenhalt ein.
Das Wahlergebnis zeigt uns: Viele Menschen haben Ängste und Sorgen. Manche Menschen haben das Gefühl, nicht mehr gehört zu werden oder in unserer Gesellschaft nicht mehr richtig anzukommen. Andere erleben Orientierungslosigkeit und wissen nicht, wie ihre persönliche und berufliche Zukunft aussehen wird.
Dazu kommen Existenzängste in vielen Bereichen: Angst um den Arbeitsplatz, um das eigene Einkommen, um bezahlbaren Wohnraum, um die Familie oder um die eigene soziale und wirtschaftliche Sicherheit. Solche Erfahrungen dürfen nicht einfach abgetan werden. Sie müssen ernst genommen werden.
Gerade deshalb müssen soziale Gerechtigkeit, nachhaltige Entwicklung und eine klare Haltung zu den Grundwerten unserer Demokratie Grundlage politischen Handelns bleiben.
Das Wahlergebnis verstehen wir nicht nur als politisches Signal, sondern auch als Auftrag. Soziale Spaltungen müssen ernst genommen werden. Menschen brauchen Möglichkeiten zur Beteiligung und Räume, in denen sie ihre Sorgen und Erfahrungen äußern können. Demokratische Räume müssen geschützt und gestärkt werden.
Dabei ist es wichtig, Ängste nicht weiter zu verstärken und Menschen nicht auszugrenzen. Gleichzeitig dürfen Sorgen und Unsicherheiten nicht ignoriert werden.
Wir müssen genauer hinschauen:
Was sind die Ursachen für diese Ängste? Wo erleben Menschen Unsicherheit? Wo fehlen Perspektiven, Unterstützung und Orientierung?
Soziale Arbeit kann diese Fragen nicht allein lösen.
Sie kann aber sichtbar machen, wo Menschen Unterstützung brauchen. Sie kann zuhören, vermitteln, Beteiligung ermöglichen und gemeinsam mit den Menschen nach Lösungen suchen und Politik beraten. Dafür braucht es gute Rahmenbedingungen, ausreichend Fachkräfte und eine Politik, die soziale Verantwortung übernimmt.
Der VPSA e.V. steht für eine Soziale Arbeit, die Menschenrechte, Nachhaltigkeit, professionelle Verantwortung und gesellschaftliche Teilhabe miteinander verbindet.
Gerade in Zeiten politischer Polarisierung braucht es eine starke Profession. Eine Profession, die Haltung zeigt, Menschen ernst nimmt und gleichzeitig den Dialog offenhält.
Wir wollen nicht über Menschen reden, sondern mit ihnen. Wir wollen Ängste ernst nehmen, ohne Ausgrenzung zu fördern. Und wir wollen dazu beitragen, dass Menschen wieder Orientierung, Teilhabe und tragfähige Perspektiven für ihr Leben finden.
Für eine Gesellschaft.
Autor:
Thomas Greune - Vorsitzender
